Liebe Deutschsprachige in Brasilien,
unser Clubpartner, das Museum Lasar Segall, lädt Sie herzlich zu einer Fotomontage-Ausstellung ein.
Zum ersten Mal werden in Brasilien Fotomontagen des deutschen Fotografen John Heartfield (1891 – 1968) ausgestellt. Die Arbeiten wurden ursprünglich für die Arbeiter-Illustrierte Zeitung (AIZ) porduziert und gehören zu der Sammlung vom Valencia Institut für Moderne Kunst (IVAM). Die Ausstellung ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen dem IVAM und dem Museum Castro Maya von Rio de Janeiro, wo die Fotomontagen ebenfalls noch in diesem Jahr gezeigt werden.
Bei den Fotomontagen handelt es sich um Arbeiten mit großer historischer Bedeutung. Sie wurden in den Jahren 1930 bis 1938 in der AIZ veröffentlicht und zeigen scharfe Kritik an dem NS-Regime und dem Aufstieg von Adolf Hitler an die Macht.
John Heartfield, der Begründer der politischen Fotomontage, wurde als Helmuth Herzfeld am 19. Juni 1891 in Berlin-Schmargendorf geboren. Nach einer abgebrochenen Buchhändlerlehre und einer Ausbildung an Kunstgewerbeschulen in München und Berlin wurde er 1914 als Gardesoldat eingezogen, dann aber auf Grund einer simulierten Nervenkrankheit entlassen. Er verkehrte im Romanischen Café mit der Berliner Bohème um Else Lasker-Schüĺer und mit George Grosz und gehörte der kleinen Gruppe junger Berliner Intellektueller an, welche sich frühzeitig der allgemeinen Kriegsbefürwortung entzog. Aus Protest gegen die antienglische Kriegspropaganda nahm er den Namen John Heartfield an und gründete mit seinem Bruder Wieland Herzfeld die oppositionelle Zeitschrift “Neue Jugend“ und 1917 den nach einem Roman von Else Lasker-Schüler benannten “Malik-Verlag“.
Einige Zeit später gehörte Heartfield auch zu den Initiatoren der Berliner Dada-Bewegung und trat gemeinsam mit seinem Bruder, George Grosz und Erwin Piscator der gerade gegründeten KPD bei. Nach einem Intermezzo als Ausstatter und Regisseur bei der UFA arbeitete Heartfield für Erwin Piscator an der Reinhardt-Bühne, engagierte sich für die KPD in deren grafischem Atelier und gab gemeinsam mit Kurt Tucholsky 1929 das viel beachtete Bilderbuch “Deutschland, Deutschland über alles“ heraus. Ein Jahr später begann seine ständige Mitarbeit bei der “Arbeiter-Illustrierten-Zeitung“, für die bis 1938 die klassischen Fotomontagen zur Zeitgeschichte entstanden. 1933 floh der Künstler nach Prag und von dort 1938 weiter nach London. Dort arbeitete er als Buchgestalter für englische Verlage und erhielt eine Arbeitserlaubnis als freischaffender Cartoonist.
Die Rückkehr Heartfields nach Leipzig und Berlin fiel in die äußerst problematische Zeit der “Formalismusdiskussion“ in der DDR. Nach zwei Herzinfarkten 1951 und 1952 übernahm er wieder umfangreiche Arbeiten als Ausstatter und Bühnenbildner u.a. für das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater. 1956 wurde Heartfield zum Mitglied der Deutschen Akademie der Künste (Ost) gewählt. Es folgten weitere staatliche Ehrungen und zahlreiche internationale Ausstellungen. Am 26. April 1968 starb der Fotomonteur, Bühnenbildner und Typograf John Heartfield nach einer schweren Virusgrippe in Berlin. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.
Die Fotomontagen gegen den Nationalsozialismus gehören zu den herausragenden künstlerischen wie zeitgeschichtlichen Zeugnissen im Werkschaffen Heartfields. Sie wurden in den letzten Jahren mehrfach auf internationalen Ausstellungen in Europa, Israel und den USA gezeigt.
Gemäß dem Testament der Eheleute John und Gertrud Heartfield wurde 1984 ein Archiv für den gesamten künstlerischen und schriftlichen Nachlass eingerichtet. Diese Schenkung wird heute als eines der bedeutendsten Zeugnisse der Berliner und deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vom Archiv der Akademie der Künste betreut.
Sie haben die Möglichkeit die Ausstellung noch bis zum 24.02.2013 zu besuchen. Der Eintritt ist kostenfrei!
Ausstellungsort:
Museum Lasar Segall
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag von 11:00 bis 19:00 Uhr
(Dienstags ist das Museum Lasar Segall geschlossen.)
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