die Caravan – Motor – Touristik, kurz CMT, ist eine deutsche Publikumsmesse für Touristik und Freizeit. Sie findet seit 1968 auf dem Gelände der Messe Stuttgart statt.
In diesem Jahr begrüßt das brasilianische Bundesland Santa Catarina, vom 12. bis zum 20. Januar 2013, die Messegäste in Stuttgart, als Partnerland auf der CMT. “Bem vindos a Santa & Bela Catarina“ heißt das Motto in Halle 8, am Stand C 12, wo auf mehr als 100 Quadratmetern der brasilianische Bundesstaat präsentiert wird.
Aktiv die Natur Santa Catarinas erleben, steht seit einigen Jahren im Fokus der Werbekampagne der Touristiker des Landes. Und davon hat der südbrasilianische Bundesstaat bekanntlich eine Menge zu bieten. “Früher hat man mit Städten wie Blumenau, die von deutschen Einwanderern gegründet wurden, geworben“, berichtet Karin Luize de Carvalho, Santa Catarinas Repräsentantin in Deutschland. Fachwerk-Romantik, Oktoberfest, Lederhosen und Filzhüte – für den Großteil der Touristen in Südamerika, den USA und Europa wird sich daran nichts ändern. Aber Santa Catarina will auch für Aktivurlauber und Naturliebhaber attraktiv sein.
Speziell Großbritannien, Portugal und Deutschland gelten als die Quellmärkte der Zukunft. 2011 besuchten rund 227.000 deutsche Gäste Brasilien, knapp zehn Prozent davon kamen auch nach Santa Catarina. Damit liegen die Deutschen hinter den italienischen Besuchern auf Platz zwei. Die Leser der Fachzeitschrift Viagem Turismo küren de Carvalho zufolge Santa Catarina seit 2007 regelmäßig zum besten Reiseziel in Brasilien und dies soll sich auch in Deutschland herumgesprochen haben. Neben Strandurlaub sowie Delfin- und Walbeobachtung am Praia Rosa wird dem Tourismus im bergigen Hinterland mehr Gewicht verliehen.
Wer sich darauf einlässt, muss zwar so ziemlich mit allen Brasilien-Klischees brechen, kann sich aber auf unerwartete Erlebnisse freuen. So zum Beispiel auf einer Dschungeltour. Die Ansage vor der Dschungeltour ist klar und furchterregend. “Nichts anfassen, weder Pflanzen noch Tiere, unter keinen Umständen, denn es könnte euer letztes sinnliches Erlebnis sein – und das meistens ein sehr schmerzhaftes.“ Was Tourgide Ademir “Adi“ Hoistaleck meint, zeigt er der Wandergruppe ein paar Minuten später. Auf seinem Buschmesser krabbelt eine wunderschöne orange-gelbe, buschige Raupe, ihre Fühler richten sich unaufhörlich in alle Richtungen. “Wenn eines ihrer Härchen mit eurer Haut in Berührung kommt, geht ihr ruckzuck in die Knie. Sie sondert ein Nervengift ab, wenn sie sich bedroht fühlt“, beruhigt Adi seine Reisegruppe nicht wirklich. Respektvoll wird Abstand vor dem quirligen Winzling gehalten, der sich im täglichen Überlebenskampf gegen seine Fressfeinde wehren muss. Bezera oder Taturana heißen die künftigen Schmetterlinge, die leider nicht zwischen Reptilien, Vögeln oder Menschen unterscheiden. Auch Spinnen und Skorpione aller Art sowie die neidliche Jararaca, die vor der Reisegruppe über den Trampelpfad schlängelt, sollte man passieren lassen. “Selbst wenn sie noch ein Jungtier ist, ihr Gift kann tödlich sein“, erzählt Adi seinen aufmerksamen Zuhörern, “je nach Gewicht und Konstitution hat man noch vier bis sechs Stunden“. Selbst Vegetarier sollten sich im Regenwald nicht zu sicher fühlen. Während Canelo und Cedro aus der Zimtbaumfamilie noch harmlos vor sich hinblühen, sollte man vom Lambe-Lambe die Finger lassen. “Dieses Bambusgewächs hat üble Widerhaken und das Capao Cao heißt nicht grundlos “Der kastrierte Hund“. Die rasiermesserscharfe Graspflanze schlitzt im Vorübergehen problemlos Hosen und Hemden auf.
Warum sollte man sich dann den Gefahren dieser Wanderung aussetzen? Um Ehrfurcht vor der Natur Santa Catarinas zu bekommen oder um sich darüber bewusst zu werden, dass man als europäischer Büromensch vermutlich keinen Tag im Dschungel überleben würde? Vielleicht. Vielleicht geht es aber darum, ein Stück Original Atlantischen Regenwald an der grünblauen Küste 60 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Florianópolis mit allen Sinnen zu erfahren und sich davon faszinieren zu lassen. Gerade mal sieben Prozent sind in ganz Brasilien noch übrig, und der südbrasilianische Bundesstaat beherbergt immerhin ein Drittel davon. Der übrige Wald wird bewirtschaftet, sprich teilweise geschlagen, “rund ein Drittel müssen die Unternehmen als Kompensation wieder aufforsten“. Noch sei genügend Wald vorhanden, mehr Sorgen bereiten Adi dagegen die Palmherzen-Diebe. Der Palmit Jussara ist geschützt und der Diebstahl der Palmherzen wird streng bestraft, denn nach dem Abernten geht der Baum unweigerlich ein. Dafür müssten die Wilderer aber geschnappt werden und dies ist bei einem 3.000 Hektar großen Gebiet fast unmöglich. Dennoch gefährden die Diebe das ökologische Gleichgewicht des Urwaldes. Sieben Jahre dauert es, bis ein Palmherz gewachsen ist und Amselarten wie die Saiba, die Tukane oder das Wasserschwein Catia verbreiten auf natürliche Weise die Samen.
So ein Urlaub in Santa Catarina unterscheidet sich gewaltig von einem Partyerlebnis mit heißen Rhythmen im Sambodromo. Es kann sogar sehr kalt werden. Eiskalt. Denn in der Canyon-Region auf 1.300 Meter Höhe schneit es oftmals im Winter – das dortige Städtchen Sao Joaquim gilt als der kälteste Ort in ganz Brasilien.
Dank der Jahreszeiten prosperiert die Region mit unzähligen Obst- und Gemüseplantagen und seit einigen Jahren wird auch der Weinanbau touristisch vermarktet. In Santa Catarina sind derzeit 26 Weingüter mit Verkauf registriert und eines der Aushängeschilder ist die Villa Francioni, die zwei Anbaugebiete in Sao Joaquim und Bom Retiro unterhält. Das Gut wurde von Brasiliens Weinpionier Dilor Freitas zwischen 2000 und 2004 erbaut und erzeugt inzwischen pro Jahr ca. 120 Hektoliter an Merlot, Cabernet Sauvignon sowie Chardonnary und Sauvignon Blanc. Freitas hatte sein Vermögen in der Keramikindustrie verdient und sein Hobby zu einem weiteren Geschäftsfeld gemacht. “Spumati und Rosé-Weine trinken die Brasilianer am liebsten“, sagte Rute Enriconi, Pressesprecherin des Weinguts, wobei die extrem hohe Weinsteuer das Getränk zum Luxusartikel mache. Im Vergleich zu den Importweinen aus Chile und Argentinien sind Villa Francioni & Co. preislich klar im Hintertreffen. Die Forderung der einheimischen Erzeuger nach höheren Importsteuern auf die Weine aus den Nachbarstaaten verhallt bislang ungehört.
Während die Weinvermarktung noch in den Kinderschuhen steckt, ist ein anderes Erzeugnis Santa Catarinas als Delikatesse längst etabliert. Die Rede ist von Austern, genauer die Pazifische Felsenauster, Crassosterea Gigas, die von Japan über Kanada und Chile nach Santa Catarina gelangte. Jaime José de Barcelos führt nicht nur das mehrfach ausgezeichnete Meeresfrüchte-Restaurant “Ostradamus“ (Ostras = Austern) in Ribeirao da Ilha in der Nähe der Hauptstadt Florianópolis, sondern züchtet die Spezialität selbst. “Wir haben hier optimale Bedingungen für die Austernzucht“, sagt Jaime, “gemäßigte Gezeiten, reichlich Mikroalgen und eine gleichbleibende Wassertemperatur von etwa 17 Grad Celsius.“ Er teilt sich das Gebiet auf 15 Kilometer Länge entlang der Innenseite der Halbinsel mit 40 anderen Austernzüchtern. Weitere 80 Austernfarmen haben sich am Festland angesiedelt. Jaime bereitet drei verschiedene Austern vor, je nachdem, wie lange sie in der Zucht gewachsen sind. “Sechs Monate alte Austern werden in Knoblauch und Olivenöl serviert, die achtmonatigen kommen gratiniert und die 14 Monate gereiften werden im Dampf gegart.“ Im Restaurant bleiben sie nie länger als zwölf Stunden, wo sie bei 17 Grad in Salzwasser am Leben erhalten werden. Jede Auster wird geprüft, ob sie für den Verzehr taugt. Und wie erkennt man eine schlechte Auster? “Wenn ihre Farbe nicht mehr weiß ist und wenn sie kein Meeresaroma hat“, berichtet Jaime. Außerdem müsse eine frische Auster leicht süßlich nach Wassermelone riechen und “zubeißen, wenn man sie aus dem Wasser herausholt“. Die Austernzüchter haben sogar wissenschaftliche Hilfe bekommen. Die Fakultät für Fischereiwesen an der Universität von Florianópolis untersuchte und analysierte die biologischen, klimatischen und geografischen Bedingungen für die Zucht und empfahl darauf die japanische Austernart als beste für Santa Catarinas Gewässer. Mit Erfolg. Pro Woche verkauft Jaime zwischen 1.500 und 2.500 Portionen à zwölf Austern, wobei “70 Prozent von Einheimischen, der Rest von Touristen gegessen werden“. Es bleibt dennoch genügend für den Export übrig und dessen Abnehmer sitzen in den Sternerestaurants von Rio de Janeiro, São Paulo und Recife.
Wer gern hart am Wind segelt bzw. surft, ist in Santa Catarina ebenfalls bestens aufgehoben. “Auf einer Küstenlänge von 560 Kilometer besitzt der Staat etwa 130 Strände, die sich zum Wellenreiten eignen“, berichtet Michael Krämer, der seit sechs Jahren in Florianópolis lebt und eine Reiseagentur betreibt. Zudem gebe es zwei große Lagunen, die ideal zum Wind- und Kitesurfen seien. Ähnlich den kalifornischen Stränden sei Wellenreiten als Lebenseinstellung und Kulturphänomen so markant, das “es den Lebensstil der Küstenstädte unglaublich beeinflusst und den Jugendtourismus antreibt“.
Etliche Surfer aus Santa Catarina zählen zur Weltspitze und in der Folge der steigenden Nachfrage, sind in den vergangenen Jahren Surfschulen und einfache Pensionen und Hostels in Strandnähe entstanden. Der frühere Weltmeister, Kauli Seadi, kommt immer gern an die Strände Lagunas wie die Bucht von Ibiraquera zurück. Wenn er nicht gerade in Europa, Australien oder auf Hawaii bei Windsurf-Wettbewerben vorne mitmischt. Denn hier habe sein Leben begonnen, sagt er.
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