Liebe Deutschsprachige in Brasilien,
am 08. Mai feierte das außergewöhnliche multimediale Musiktheaterprojekt “Amazonas“-Oper Weltpremiere bei der Münchener Biennale 2010.
Bis dato wagte sich niemand, die Folgen des Raubbaus durch die Zerstörung des Regenwaldes im Amazonas und die damit verbundenen Folgen als Musiktheater aufzuführen.
An diesem einmaligen Projekt arbeiteten über vier Jahre die Münchener Biennale, das Goethe-Institut, das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und das Nationaltheater von Sao Carlos in Brasilien eng zusammen. Ferner ist auch der Interessenverband der Yanomami-Indianer beteiligt, einem der letzten großen Naturvölker Brasiliens, welche genauso wie andere indigene Völker von der Zerstörung des Regenwaldes direkt betroffen sind.
Die fast dreistündige Inszenierung besteht aus drei Akten.
1. Akt:
Drei Schauspieler tragen Auszüge von Texten des britischen Entdeckers Sir Walter Raleigh vor, welcher seine Bewunderung für die Amazonas-Region in Reiseberichten Ende des 16. Jahrhunderts niedergeschrieben hat. Die Schauspieler werden während dieser Lesung auf riesige Leinwände projiziert.
Eine Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal in einer Komposition von Klaus Schedel vermittelt die “Gewalttätigkeit der Zerstörung durch Musik“, und begleitet diesen 1. Akt musikalisch.
2. Akt:
Eine gespenstische Dschungelatmosphäre, in welcher sich das Publikum frei bewegen darf, erzählt im 2. Akt die Zerstörung des Amazonas aus Sicht der indigenen Völker. Die Dschungellandschaft wird erzeugt, in dem auf schwarzen Stoffbahnen welche von der Decke herab hängen Schlinggewächse projiziert werden.
Schauspieler, die ihre Gesichter hinter weißen Masken verbergen ziehen Holzkisten hinter sich her aus denen die unterschiedlichen Urwaldgeräusche dringen. Ein Schauspieler, der auf einem Podest stehend Gesänge der Schamanen vorträgt wird von einem Orchester mit der Komposition des Brasilianers Tato Taborda - bestehend aus Blechbläsern und Schlagzeug - musikalisch begleitet.
Gestört wird dieses Szenarium durch den Lärm von Motorsägen und Rodungsmaschinen, welcher auch aus einzelnen Kisten zu vernehmen ist.
3. Akt:
An einem Konferenztisch verhandeln Repräsentanten aus Politik, Kirche, Wissenschaft und Wirtschaft für die Zukunft des Amazonas. Es wird die Notwendigkeit aufgezeigt, dass weiße Eroberer mit den Indianern zusammen eine Zukunftsperspektive gegen die Zerstörung des Amazonas ausarbeiten müssen.
Der Medienkünstler und ZKM-Leiter Peter Weibel hat zusammen mit dem Komponisten Ludger Brümmer in diesem Akt dem Wald eine Stimme verliehen. Ein Vokalensemble in weißen Schutzanzügen skandaliert antikapitalistische Slogans wie z.B.:
“200 Jahre Kapitalismus haben den Reichtum von Millionen Jahren zerstört“ - “Marktradikalismus ist der wahre Terrorismus“.
Die Aufführung zeigt, dass die letzte Hoffnung der Indianer darin besteht, dem Ansturm der Holzkonzerne und Soja-Barone in diesem Gebiet durch die Hilfe der weltweiten Staatengemeinschaft zu entgehen.
Die erhoffte Solidarität ist zwingend notwendig, hängt doch das gesamte Klimageschehen wesentlich von der Amazonas-Region ab.
Biennale-Leiter Peter Ruzicka sagte wohl deshalb auch vor der Uraufführung, dass Amazonien ein “Kerngebiet des globalen Schicksals“ ist.
Der Münchner Kulturreferent Hans-Georg Küppers sieht in der Aufführung ein “interessantes Experiment“.
Vom 21. bis 25. Juli wird die “Amazonas“-Oper in Sao Paulo aufgeführt.
Selbstverständlich werden wir Sie hierüber rechtzeitig informieren …
Bitte lesen Sie auch:
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
ACHTUNG! Die HIER veröffentlichten Kommentare sind im gesamten www sichtbar! Wenn Sie Ihren Kommentar NUR dem Netzwerk mitteilen möchten, so posten Sie diesen bitte auf LinkedIn oder XING. VIELEN DANK!